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16 August 2019 Olios argelasius (Araneae: Sparassidae) mit Bananen nach Schleswig-Holstein importiert
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Abstract

Im Dezember 2018 stellte die Feuerwehr in einem Supermarkt in Kiel, Schleswig-Holstein, eine exotische Spinne sicher. Die Art wurde als die mediterrane Sparasside Olios argelasius (Walckenaer, 1806) identifiziert, die weder in den Tropen noch in Mitteleuropa beheimatet ist.

Am 13. Dez. 2018 löste das Auffinden einer unbekannten Spinne in einer Lieferung von Bananen in einem Kieler Lebensmittelmarkt einen Feuerwehreinsatz aus. Es wurde eine potenziell gefährliche exotische Spinne befürchtet. Das Tier wurde im Rahmen der Gefahrenabwehr von der Feuerwehr eingefangen und an Mitarbeiter des Landesamtes für Land-schaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holsteins (LLUR) übergeben.

Material und Methoden

Das Tier wurde in Alkohol an den Autor übersandt. Die Be-stimmung erfolgte mithilfe von Nentwig et al. (2019). Das Material befindet sich in der Sammlung des Verfassers, die im Centrum für Naturkunde (CeNak) in Hamburg unter-gebracht ist. Fundort: Lebensmittelmarkt, Kiel Suchsdorf, 54,35245°N, 10,08881°O, 22 m über NN, 13. Dez. 2018.

Ergebnis

Es handelte sich um ein Weibchen der im Mittelmeerraum beheimateten Art Olios argelasius (Walckenaer, 1806) (Sparassidae) (Abb. 1-3). Kurzbeschreibung: Kräftige langbeini-ge Art, Körperlänge 8,5 mm, Prosoma 4 mm breit, Färbung hellgelb, lange ungezeichnete Beine mit starken Stacheln, Tarsi und Metatarsi insbesondere der ersten beiden Beinpaa-re verdunkelt, zwei gerade Augenreihen, die vordere etwas kürzer, die hinteren Mittelaugen geringfügig kleiner als die übrigen Augen, Chelizeren hellbraun und zu den Klauen hin verdunkelt, große, einfach gebaute spaltartige Epigyne.

Diskussion

Das Auffinden einer mediterranen Art zeigt, dass die Fra-ge, woher eine in einer Bananenlieferung enthaltene Spinne stammt, primär unklar ist. Knapp 7 % der innerhalb der EU gehandelten Bananen stammen aus Europa (europäische Kolonien wie Guadeloupe und Martinique herausgerechnet), über 70 % dagegen aus Lateinamerika (Eurostat 2018).

Südfrüchte werden bereits vor der Verpackung in ihren Ursprungsländern in einem Wasserbad gereinigt (Deutsche Welle TV 2018) und begast, um nicht ungewollt Organismen einzuschleppen (Dawartz in litt.). Bei Bedarf, also wenn trotzdem Organismen festgestellt werden, kann noch im Hafen eine weitere Begasung stattfinden. Solche werden in Hamburg durch wenige Spezialfirmen durchgeführt. Ein Kollege des Autors hat vor 15 Jahren im Hamburger Hafen gejobbt und dort Bananen umgepackt. Die Bananen wurden nicht in Containern, sondern als Stückgutfracht in Bananen-kartons geliefert. Es war an der Tagesordnung, dass Kleinge-tier, große Spinnen, Skorpione und Schlangen enthalten wa-ren. Es wurde im Akkord gearbeitet. Schlangen wurden mit bereit liegenden Knüppeln erschlagen und der Rest einfach zertrampelt (Salewski in litt.).

Das Einführungspotential steigt mit dem Handelsvolu-men; insgesamt ist die Zahl der Einführung gebietsfremder Spinnen zwischen den Jahren 1850 und 2000 kontinuierlich angestiegen, wobei die Umstände von Freisetzungen kaum nachvollziehbar sind (Kobelt & Nentwig 2008). Für ganz Europa sind nur wenige Fälle des Importes „echter Bananen-spinnen“(d.h. aus der Gattung Phoneutria, Familie Ctenidae) bekannt: 2016 Großbritannien (Cathrine & Longhorn 2017), 1998 Deutschland (Jäger & Blick 2009) und zwei Fälle in den 1950er Jahren (Schmidt 1956), sowie Belgien 1986 (Baert 1987). Mit Ausnahme des Fundes in Belgien (Phoneutria nigriventer (Keyserling, 1891)) handelte es sich immer um Phoneutria boliviensis (F. O. Pickard-Cambridge, 1897). Trotzdem nehmen die Anzeigen bei Behörden zu und es wird vorsorglich eine „Bananenspinne“(also Phoneutria) vermutet (Dawartz in litt.).

Der Lebensmittelhändler bezieht seine Bananen aus Südamerika, aus Ecuador und Kolumbien (Firma EDEKA in litt.). Olios argelasius kommt weder in tropischen Regionen Südamerikas und Afrikas noch in Mitteleuropa natürlich vor, sondern im Mittelmeerraum (Word Spider Catalog 2019) und auf den Kanarischen Inseln (Wunderlich 1987). Das Auftreten dieser Art kann in diesem Fall nur mit Kreuzkon-tamination beim Lagern der Früchte erklärt werden.

Olios argelasius wird gelegentlich in andere west- und mit-teleuropäische Länder eingeschleppt (Nentwig et al. 2019). So sind für die Niederlande drei Nachweise bekannt (Noordijk & de Winkel 2017), einer davon war der Totfund eines adulten Weibchens an einem Scheunentor, die beiden anderen wurden als Fotonachweise ohne nähere Angaben im Naturbeobachtungsportal  waarneming.nl gemeldet. In Polen kam es zu einem Nachweis durch Warenimport aus Italien (Rozwałka et al. 2017). Für die Schweiz liegt ein synanthro-per Nachweis vor, mit der Vermutung das Tier sei mit Zelt-material aus dem mediterranen Raum eingeschleppt worden (Hänggi & Stäubli 2012).

Abb. 1–3:

Olios argelasius Weibchen. 1. dorsaler Habitus; 2. Epigyne eines anderen Tiers; 3. Vulva; (Fotos 1+3: Lemke, Foto 2: Oger 2019) Figs 1-3: Olios argelasius female. 1. habitus dorsal; 2. epigyne from another individual; 3. vulva (photos 1+3: Lemke, photo 2: Oger 2019)

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Danksagung

Der Autor dankt einer Reihe hilfreicher Menschen: Theo Blick für Literaturbeschaffung und viele hilfreiche Anmerkungen, Arne Drews (LLUR, Flintbek) für informelle Zusammenarbeit und Übersendung des Tiers, Sylke Dawartz (Umweltbehörde, Hamburg) für Hinweise zum Südfruchtimport, verschiedene Mitarbeiter der Handelsge-sellschaft EDEKA Nord mbH für Auskünfte über die konkrete Bananenlieferung. Maximilian Salewski für interessante Einblicke in den Umschlag von Bananen im Hamburger Hafen. Tobias Bauer (Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe) für Information betreffend den Import und Behandlung tropischer Waren, Pierre Oger für das Bereitstellen eines Fotos und nicht zuletzt den Gutachtern für hilfreiche Tipps und Anregungen.

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Martin Lemke "Olios argelasius (Araneae: Sparassidae) mit Bananen nach Schleswig-Holstein importiert," Arachnologische Mitteilungen: Arachnology Letters 58(1), 16-17, (16 August 2019). https://doi.org/10.30963/aramit5806
Received: 1 March 2019; Accepted: 24 March 2019; Published: 16 August 2019
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